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Baukindergeld im Überblick – Beantragen, Voraussetzungen, Sonderfall Bayern & Co.

Die eigenen vier Wände sind der Lebenstraum vieler Familien. Doch vor allem in Ballungsräumen steigen die Immobilienpreise seit Jahren und auch die Lebenshaltungskosten werden nicht günstiger. Gerade jungen Familien bleibt so neben der Altersvorsorge kaum finanzieller Spielraum für ein Eigenheim. Das neue Baukindergeld soll hier helfen, indem es Familien unterstützt, die zum ersten Mal Wohneigentum erwerben. Dabei hat aber nicht automatisch jeder Anspruch auf die Förderung. In diesem Beitrag erfahren Sie, was das Baukindergeld ist, welche Voraussetzungen gegeben sein müssen, wie es sich von der ehemaligen Eigenheimzulage unterscheidet und für wen es sich lohnt. Darüber hinaus erklären wir Ihnen, wie das Baukindergeld beantragt und ausgezahlt wird und ob es Unterschiede zwischen den verschiedenen Bundesländern gibt.

Was ist Baukindergeld? – Einigung von CDU, CSU & SPD

Beim Baukindergeld handelt es sich um eine Eigenheimzulage für Familien. Damit hat die Bundesregierung 2018 ein Förderprojekt verabschiedet, das CDU, CSU und SPD bereits im Koalitionsvertrag vereinbart hatten. Ziel ist es, Familien mit Kindern den Bau bzw. Kauf eines Hauses oder einer Wohnung zu erleichtern. Somit können Familien zwölf Jahre nach der Abschaffung der Eigenheimzulage endlich wieder mit staatlichen Zuschüssen beim Bau ihres Eigenheims rechnen.

Voraussetzungen

Anspruch auf das Baukindergeld haben grundsätzlich alle Familien sowie Alleinerziehende mit mindestens einem Kind, das das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet hat. Dabei muss es sich nicht zwangsläufig um ein leibliches Kind handeln – auch adoptierte Kinder sind förderberechtigt. Das zu versteuernde Einkommen darf 75.000 Euro im Jahr nicht übersteigen. Hinzu kommt ein Freibetrag von 15.000 Euro pro Kind. Damit dürfen Familien mit einem Kind ein zu versteuerndes Einkommen von maximal 90.000 Euro pro Jahr haben. Liegt das zu versteuernde Einkommen darüber, besteht kein Anspruch auf Baukindergeld. Berücksichtigt werden hierbei immer die Einkommen des vorletzten sowie des vorvorletzten Jahres. Für alle Anträge, die im Jahr 2019 gestellt werden, dürfen die besagten Grenzen in den Jahren 2016 und 2017 damit nicht überschritten werden.

Weitere Voraussetzungen sind, dass der Antragsteller zum Zeitpunkt des Kaufs bzw. der Baugenehmigung keine andere Immobilie besitzt und der notarielle Kaufvertrag nach dem 01.01.2018 unterzeichnet wurde. Dabei spielt es keine Rolle, um welche Art von Immobilie es sich handelt. Sowohl Bestandsimmobilien als auch Neubauten werden gefördert. Wird die Immobilie erst nach dem Erwerb gebaut, muss die Baugenehmigung nach dem 01.01.2018 erteilt worden sein.

Nutzen Sie am besten den Vorab-Check der KfW, um zu testen, ob Sie Anspruch auf Baukindergeld haben.

 

Zuschuss pro Kind

Die Höhe des Zuschusses hängt von der Anzahl der Kinder und dem Einkommen ab. © Finanzdienstleistung-Poller.de

Eigenheimzulage im Vergleich

Von 1996 bis 2005 gab es in Deutschland die Eigenheimzulage mit Kinderzulage. Sie gehört zu den größten Subventionen, die in Deutschland jemals gezahlt wurden. Wer seine Immobilie vor dem 01.01.2004 gebaut hat, konnte jährlich 5 Prozent Herstellungskosten, aber maximal 2.556 Euro bei Neubauten und 1.278 Euro bei Altbauten erhalten. Für jedes Kind wurden zusätzlich 767 Euro gezahlt. Bei Familien mit einem Kind durfte das Haushaltseinkommen aber nicht 170.000 Euro übersteigen. Für jedes weitere Kind erhöhte sich diese Grenze um 30.000 Euro.

So bekam eine Familie mit zwei Kindern und einem Immobilienneubau im Wert von 200.000 Euro also 4.090 Euro staatliche Förderung jährlich über einen Zeitraum von acht Jahren. Die Gesamtförderung belief sich damit auf 32.720 Euro. Immobilien, die zwischen dem 01.01.2004 und dem 31.12.2005 gekauft oder gebaut wurden, erhielten nur noch eine Förderung von einem Prozent der Herstellungskosten, maximal aber 1.250 Euro zuzüglich 800 Euro pro Kind. Bei Familien mit zwei Kindern betrug die Förderung so nur 2.850 Euro im Jahr bzw. 22.800 Euro über den gesamten Zeitraum.

 

Fakten Baukindergeld

Die wichtigsten Fakten zum Baukindergeld auf einen Blick. © Finanzdienstleistung-Poller.de

Für wen lohnt sich das Baukindergeld?

Das Baukindergeld kann sich praktisch für alle Familien lohnen, die ihr Eigenheim nach dem 31.12.2017 gekauft haben oder den Erwerb planen. Die jährliche Förderung von 1.200 Euro pro Kind kann über zehn Jahre hinweg als Sondertilgung eingesetzt werden, sodass zur eigentlichen Zulage noch die eingesparten Finanzierungszinsen hinzukommen.

Das Baukindergeld lohnt sich aber vor allem da, wo es einen besonders hohen Anteil am Kaufpreis oder Einkommen ausmacht. Ein Beispiel für einen hohen Anteil am Kaufpreis ist eine Familie mit zwei Kindern, die ein Reihenhaus für 600.000 Euro erwerben will. Sie kann einen Anteil von 24.000 Euro über das Baukindergeld finanzieren. Die staatliche Zulage entspricht hier 4 Prozent des Kaufpreises. Kauft dieselbe Familie dagegen ein Haus für 300.000 Euro, beträgt die Förderung ebenfalls 24.000 Euro. Der Förderanteil verdoppelt sich dagegen auf 8 Prozent.

Ein Beispiel mit hohem Anteil am Einkommen: Familien mit zwei Kindern und einem Einkommen von 90.000 Euro haben Anspruch auf 2,400 Euro Baukindergeld pro Jahr. Der Anteil am Familieneinkommen beträgt knapp 2,7 Prozent. Verfügt dieselbe Familie dagegen über ein Jahreseinkommen von 40.000 Euro, macht die Förderung in Höhe von 2.400 Euro einen Anteil von 6 Prozent am Jahreseinkommen aus.

Wie in den Beispielen deutlich wird, können vor allem Familien in ländlichen und wirtschaftlich schwächeren Regionen vom Baukindergeld profitieren. In Ballungsgebieten mit hohen Immobilienpreisen und starker Wirtschaft ist der Fördereffekt dagegen deutlich geringer.

Wie wird Baukindergeld beantragt?

Das Baukindergeld kann ausschließlich bei der staatlichen Förderbank KfW beantragt werden. Sie können das Baukindergeld seit 18. September 2018 beantragen. Die Anträge können bis zum 31.12.2023 gestellt werden, wenn Kaufvertrag bzw. Baugenehmigung zwischen dem 01.01.2018 und 31.12.2020 geschlossen bzw. erteilt wurde.

Zur Beantragung benötigen Sie folgende Unterlagen:

  • Grundbuchauszug als Nachweis über den Eigentumserwerb (Nachweis kann optional mit Auflassungsvormerkung erfolgen)
  • Einkommensbescheide des vorletzten & vorvorletzten Kalenderjahres
  • Meldebestätigung mit Hauptwohnsitz des Antragstellers, der angegebenen Kinder & ggf. des Partners als Nachweis der Selbstnutzung
  • letzte Kindergeldbescheide

Die Auszahlung

Das Baukindergeld wird jährlich in Teilbeträgen ausgezahlt. Der Ablauf gestaltet sich wie folgt: Zunächst wird der Antrag über das Zuschussportal der KfW gestellt. Die KfW prüft dann den Antrag und die eingereichten Unterlagen. Wenn Sie förderberechtigt sind, übermittelt Ihnen die KfW eine Auszahlungsbestätigung. Darin wird auch das erste Datum der Auszahlung angekündigt. Das Baukindergeld wird von diesem Zeitpunkt an immer jährlich am gleichen Tag weitere neun Jahre lang ausbezahlt.

Wann das erste Baukindergeld ausgezahlt wird, lässt sich aktuell noch nicht sagen. Hintergrund ist der, dass der Antrag ausschließlich über das Zuschuss-Portal der KfW gestellt werden kann. Ein Übersenden per Post ist nicht vorgesehen. Die Möglichkeit, entsprechende Unterlagen online hochzuladen, konnte von der KfW bis jetzt aber noch nicht technisch realisiert werden. Laut der KfW wird dies ab März 2019 möglich sein. Eine Prüfung des Antrags ist ohne Ihre Unterlagen aber nicht möglich. Aus diesem Grund kann auch keine Bestätigung ausgestellt bzw. Zahlung getätigt werden. Antragsteller müssen sich also noch ein wenig gedulden.

Änderung der Lebenssituation

Baukindergeld wird grundsätzlich nur so lange ausgezahlt, wie die Antragsteller die Immobilie auch tatsächlich bewohnen. Ziehen Sie also aus, verkaufen oder vermieten das Haus bzw. die Wohnung, wird die Zahlung eingestellt und läuft somit nicht über die vollen zehn Jahre.

Im Falle einer Scheidung oder Trennung kann es ebenfalls zu Problemen kommen. Ein konkreter Gesetzestext hierzu fehlt jedoch. Es ist aber davon auszugehen, dass mindestens ein Elternteil mit den Kindern in der Immobilie wohnen bleiben muss.

 

Vertragsabschluss Hauskauf

Das Baukindergeld ist für viele Familien eine große Hilfe.

Baukindergeld in Bayern, NRW & Co.

Die neuen Regelungen zum Baukindergeld gelten für alle Bundesländer gleichermaßen. Es müssen also nirgendwo in Deutschland Abstriche gemacht werden. Nur Bayern zahlt mit dem „Baukindergeld plus“ noch einmal zusätzlich obendrauf. So wird die jährliche Bundesförderung von 1.200 Euro auf 1.500 Euro pro Kind erhöht. Eine bayerische Familie mit drei Kindern erhält so 900 Euro zusätzlich. Hinzu kommt eine ebenfalls nur in Bayern gültige Eigenheimzulage von einmalig 10.000 Euro. Sie wird sowohl Familien als auch kinderlosen Paaren und Singles gewährt und kann bei der Bayern Labo beantragt werden.

Kombination mit anderen Fördermitteln

Neben dem Baukindergeld stehen Familien beim Immobilienerwerb auch weitere Fördermittel der KfW sowie landeseigener Förderbanken zur Verfügung. Je nach Förderprogramm und Bundesland müssen unterschiedliche Voraussetzungen erfüllt sein. Beachten Sie aber, dass die Antragstellung hier in vielen Fällen vor dem Vorhaben erfolgen muss bzw. sollte.

Fazit

Die eigenen vier Wände sind der Traum vieler Familien. Durch das Baukindergeld versucht der Staat Familien trotz steigender Immobilienpreise bei deren Vorhaben zu unterstützen. Familien können damit zum ersten Mal seit Abschaffung der Eigenheimzulage im Jahr 2005 wieder mit staatlichen Zuschüssen beim Erwerb Ihres Eigenheimes rechnen. Anspruchsberechtigt sind grundsätzlich alle Familien mit mindestens einem Kind, das noch keine 18 Jahre alt ist. Das zu versteuernde Einkommen darf 75.000 Euro jährlich zuzüglich eines Freibetrags von 15.000 Euro pro Kind nicht übersteigen. Berücksichtigt werden immer die Einkommen des vorletzten und des vorvorletzten Jahres. Außerdem darf der Antragsteller keine weitere Immobilie besitzen und der notarielle Kaufvertrag muss nach dem 01.01.2018 unterzeichnet worden sein.

Grundsätzlich lohnt sich das Baukindergeld für alle Familien, die Ihr Eigenheim nach dem 31.12.2017 gekauft haben. Von der Förderung profitieren aber vor allem Familien in ländlichen und wirtschaftlich schwächeren Regionen. Die Beantragung kann offiziell seit 18.09.2018 und ausschließlich über das Zuschussportal der KfW bis zum 31.12.2023 erfolgen. Aufgrund technischer Schwierigkeiten konnte die KfW das Hochladen der erforderlichen Unterlagen aber noch nicht realisieren. Dies wird vermutlich erst ab März 2019 möglich sein. Bei weiteren Fragen oder Anmerkungen zum Thema Baukindergeld bzw. Baufinanzierung können Sie sich gern jederzeit an uns als unabhängiger Finanzberater wenden.

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